Sprung ins kalte Wasser
Zwischen allen Lappen ist Ruh'
Dr. Fritz Pausenhofer und Martin Pichler – der eine ist Neurologe, der andere sein Patient – verbinden Hirnkrankheit im Allgemeinen und die gemeinsame Herkunft aus der österreichischen Provinz. Der Autor lässt Martin als Alter Ego erzählen, mischt sich aber ein, lässt die Identitäten verschwimmen. Das Zeitfenster öffnet sich bis weit in Kindheit und Vorleben des Neurologen, das den Kontrast zum Berlin der Nachwendezeit darstellt. Besonders zu den vergangenen fünfzehn Jahre, in denen sich die Geschichte abspielt. Ausgiebige Rückblicke nach Wien, Stockholm und in die Steiermark lassen eine Welt entstehen, die der Leser vielleicht zu kennen glaubt und sich dabei auf jeden Fall täuscht. Vielleicht ist das Buch ein Gemälde, ein Genre-Bild von Breughel, vor dem man steht und in jeder Ecke etwas Neues entdeckt.
Das Biotop Museum
Das Museum, wo Martin seinem Aufseherjob nachgeht und seine Vergangenheit in den Mühlen der Arbeitsämter reflektiert. Für immer geschädigt und traumatisiert will er sein Leben dennoch nicht aus der Hand geben und arbeitet an einem Buch, dass ihm schon wieder alles abverlangt, ihn aber letztendlich belohnt. Wenngleich er, wie sich später zeigen wird, für den Lohn teuer bezahlt.
Eine Parallelwelt
Die Neurologische der Berliner Charité, wo Professor Fritz Pausenhofer nur seine Idioten, Spinner, Schwachsinnigen und Epileptiker respektiert. Kollegen kennt er nicht, nur Untergebene, Unterärzte, wie er sie nennt. Sein maßlos überhöhtes Gehalt nennt er eine Frechheit und denkt dabei an seinen epileptischen Freund Martin Pichler, den er schließlich mit seinem Porsche-Cabrio zu beeindrucken hat.
Der Mensch als Problem
Stockholm, laut Pausenhofer eine „Stadt die immer schläft“, lebt von Tod und Brutalität. Für eine Monarchie ist es nicht ungewöhnlich, sich hauptsächlich durch die Vermarktung der Königsfamilie zu finanzieren. Dabei hätte das Land großes Potential, gäbe es nicht den Menschen.
Der Gürtel trennt die Spreu vom Weizen
Wien wird von Brückeneinstürzen geplagt, wie andere Städte von Smog und Sandstürmen. Außerdem ist nichts so wie früher. Der junge Pausenhofer wird zu dem was er bis zum bitteren Ende bleiben wird. Einer, der seine Unschuld verliert, bevor die Erziehung zur Bescheidenheit wirklich greifen kann.