Einen Beruf zu haben,
ist das Ende jeder Kreativität …*
*Reinhold Messner beim Interview mit Werner Herzog in dessen Film Gasherbrum, der leuchtende Berg.
Christian Maurer, geboren 1966 in Leoben/Österreich, bricht das Kunststudium in Wien ab und zieht im Sommer 89 nach Berlin, wo er als Bildender Künstler tätig ist. Er ist seit jeher auf Schotterstraßen unterwegs, die ihm seit der Kindheit als geeignet erscheinen, um von A nach B zu kommen. Jede Abzweigung will wohl überlegt sein, jede Kurve birgt Risiken, die ein Autobahnfahrer nicht kennt. Seinen Führerschein hat er vor langer Zeit zurückgegeben im naiven Glauben, die Behörde würde ihn recyceln, ein anderes Foto hineinkleben, den Stempel kaschieren. Wahrscheinlich ist genau das nicht passiert, weil selbst in Österreich Beamte vor Dokumentenfälschung zurückschrecken.
In Deutschland hingegen schreckt man bereits vor dem Wort Führerschein zurück, der uns für immer an den dreckigen Teil unser aller Geschichte erinnert und nennt das Papier Fahrerlaubnis. Bücher von österreichischen Autoren werden in Deutschland besonders gern gelesen, während es österreichische Künstler schwer haben.
Christian Maurer entscheidet sich 2018 aus reinem Pragmatismus dazu, seine bereits 2010 entstandene Wanderausstellung zur Volksbildung, „Kim Jong IL. Ron Hubbard – Eine Männerfreundschaft“, als Bilderbuch für Erwachsene (auf Deutsch und Englisch) sowie 2020 das Schauspiel „Effektdramolette“ herauszugeben. Beide sind vor allem für den Autor selbst von Relevanz. Sein erster Roman, „Zwischen allen Lappen ist Ruh’“, wäre ohne sie wahrscheinlich nicht zustande gekommen. So schließt sich der Kreis zur Schotterstraße, die er wohl noch einige Zeit gehen muss.
Eine Ankunft
Drei Jahrzehnte Handwerk und dabei immer Dilettant geblieben. Ewiges Experimentieren und das Gefühl, nicht verstanden zu werden. Der Denkfehler bestand darin, überhaupt diesen Anspruch zu erheben. Ein jahrelanges Intermezzo mit Produktdesign war hilfreich um zu erkennen, wohin es nicht gehen soll, nicht gehen kann. Ein Job musste her. Ein kleines, aber regelmäßiges Einkommen war auf jeden Fall hilfreich bei der Arbeit an den ersten Büchern. Schon wieder Experimente, sicher! Für den ersten Roman brauchte es Disziplin und konsequente Entscheidungen: Willst du wieder auf halber Strecke liegenbleiben? Lohnt es sich überhaupt?
Es hat sich gelohnt!
Anstatt einer Vita
Stationen auf einem Weg, der vieles nicht berücksichtigt. Zum Beispiel sind einige Arbeiten nie ausgestellt worden, befinden sich in Privatbesitz und Sammlungen, sind vielleicht spurlos verschwunden, durch Vandalismus, Stürme, Frost und Regen beschädigt und wieder repariert worden. Eine umfangreiche Arbeit ist als Buch, die Übersetzung überhaupt nur als solches erhalten.
- 1985–1987: Malereiausbildung in Graz
- 1987–1989: Hochschule für Angewandte Kunst in Wien. Experimentelles Gestalten bei Maria Lassnig
- 1989: Teilnahme an den XXIV. Internationalen Malerwochen in der Steiermark Umzug nach Berlin
- 1994: Teilnahme am Festival Zeitgenössischer Kunst in Graz
- 1996: Herberts Erinnerungen – Eine Geschichte vom Anderssein Galerie am Scheunenviertel (Berlin)
- 2001 & 2004: Oldies but Goldies in der Galerie Otto Nagel (Berlin) Actionhelden und Zuschauer mit Bernhard Sallmann, Peter Zach und Erwin Leder (Berlin)
- 2004–2008: Gesundheitliche Probleme und Krankenhausaufenthalte
- 2007: Echt schön, Tiger!
- 2009: was bleibt … innerhalb der Ausstellung. Die Schöpfung ist nicht vollendet im Museum für Gegenwartskunst in Admont
- 2010: Wohnen am Schweinefriedhof (Freies Museum in Berlin)
- 2011: Kim Jong IL. Ron Hubbard (Berlin) und bei Zwischen Erinnern und Vergessen (Admont)
Sammlungen: Museum für Gegenwartskunst Admont & Neue Galerie Graz
2016 Rückzug aus der Ausstellungstätigkeit. Das Kapitel Produktdesign wird für immer geschlossen. Erste Bücher erscheinen 2018.